Elektrohandwerk 2026
Elektrohandwerk 2026: Welche Kennzahlen, Trends und Entwicklungen Betriebe kennen sollten
Fachkräftemangel, Energiewende, Digitalisierung und steigender Kostendruck verändern das Elektrohandwerk. Aktuelle Branchenzahlen zeigen, wo Chancen entstehen – und welche betriebswirtschaftlichen Kennzahlen für Elektrikerbetriebe immer wichtiger werden.
Das Elektrohandwerk gehört zu den zentralen Branchen für die Modernisierung von Gebäuden, die Energiewende und die zunehmende Elektrifizierung des Alltags. Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen, intelligente Gebäudetechnik und digitale Messsysteme sorgen grundsätzlich für einen wachsenden Bedarf an elektrotechnischen Leistungen.
Gleichzeitig stehen viele Elektrofachbetriebe vor erheblichen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel begrenzt die verfügbaren Kapazitäten, die Baukonjunktur bleibt angespannt, Bürokratie bindet Arbeitszeit und Kunden reagieren zunehmend sensibel auf Preise. Auch volle Auftragsbücher garantieren nicht automatisch eine gute Ertragslage.
Eine Auswertung aktueller Studien, Umfragen und Branchenkennzahlen zeigt, welche Entwicklungen Elektrikerbetriebe besonders aufmerksam beobachten sollten.
Das Elektrohandwerk bleibt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor
Nach den aktuellen Branchenkennzahlen des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke umfasst die Branche rund:
- 49.000 Betriebe,
- 575.000 tätige Personen,
- mehr als 46.000 Auszubildende,
- rund 88 Milliarden Euro Jahresumsatz.
Damit zählen die E-Handwerke zu den größten handwerklichen Wirtschaftsbereichen Deutschlands. Sie sind sowohl für den klassischen Gebäudebetrieb als auch für die Energie- und Mobilitätswende unverzichtbar.
Die Größe des Gesamtmarktes darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe eingetrübt hat. Im Frühjahr 2026 erreichte der Geschäftsklimaindex der E-Handwerke mit 65,6 Punkten den niedrigsten Stand seit mehr als 15 Jahren. Nur noch 44,9 Prozent der befragten Betriebe bezeichneten ihre Geschäftslage als gut. Gleichzeitig meldeten weiterhin rund 46 Prozent offene Stellen.
Diese Kombination ist ungewöhnlich: Einerseits schwächt sich die Nachfrage in Teilen des Marktes ab, andererseits fehlen weiterhin qualifizierte Mitarbeiter. Für Betriebe bedeutet das, dass Wachstum nicht mehr allein über einen möglichst hohen Auftragseingang gesteuert werden kann.
Entscheidend wird vielmehr, welche Aufträge angenommen werden, wie profitabel sie ausgeführt werden und welche Kapazitäten dafür benötigt werden.
Quellen: ZVEH-Branchenkennzahlen, ZVEH-Konjunkturberichte
Volle Auftragsbücher sind nicht automatisch ein Zeichen wirtschaftlicher Stärke
Ein hoher Auftragsbestand wird im Handwerk häufig als wichtigster Erfolgsindikator betrachtet. Er sagt jedoch zunächst nur aus, dass Arbeit vorhanden ist. Über die Wirtschaftlichkeit der Aufträge gibt er keine Auskunft.
Ein Betrieb kann über Monate ausgelastet sein und trotzdem zu geringe Ergebnisse erwirtschaften, wenn beispielsweise:
- Materialkosten nicht vollständig weiterberechnet werden,
- Zusatzleistungen nicht dokumentiert werden,
- zu viele unbezahlte Fahr-, Warte- oder Rüstzeiten entstehen,
- Projekte mehr Arbeitsstunden benötigen als kalkuliert,
- Rechnungen erst lange nach der Fertigstellung geschrieben werden,
- Nacharbeiten und Reklamationen nicht ausgewertet werden.
Deshalb sollte der Auftragsbestand nicht nur in Euro, sondern auch in verfügbaren Arbeitsstunden beziehungsweise produktiven Wochen betrachtet werden.
Zusätzlich empfiehlt sich eine getrennte Auswertung verschiedener Leistungsbereiche. Dazu können beispielsweise gehören:
- Kundendienst und Störungsbeseitigung,
- Sanierung und Modernisierung,
- Neubau,
- Gewerbe- und Industriekunden,
- Hausverwaltungen,
- Prüfleistungen,
- Photovoltaik und Speicher,
- Ladeinfrastruktur,
- Wärmepumpen-Elektrik,
- Smart Home und Gebäudetechnik.
Erst diese Differenzierung zeigt, welche Geschäftsfelder tatsächlich zur Stabilität und Rentabilität eines Betriebs beitragen.
Der Fachkräftemangel bleibt eines der größten Wachstumshemmnisse
Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist weiterhin ein zentrales Problem des Elektrohandwerks. Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft errechnete für das Jahr 2024 allein in der Bauelektrik eine Fachkräftelücke von rund 10.500 Personen. Weitere Engpässe bestanden unter anderem in der elektrischen Betriebstechnik.
Von einer Fachkräftelücke wird gesprochen, wenn rechnerisch mehr offene Stellen vorhanden sind als passend qualifizierte arbeitslose Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Für Elektrofachbetriebe hat dies mehrere Folgen:
- Neue Aufträge können nicht immer angenommen werden.
- Bestehende Mitarbeiter werden stärker belastet.
- Lohn- und Personalnebenkosten steigen.
- Die Suche nach Fachkräften wird zeit- und kostenintensiver.
- Fehler, Verzögerungen und krankheitsbedingte Ausfälle können zunehmen.
- Die Abhängigkeit von einzelnen Leistungsträgern wächst.
Personalgewinnung sollte deshalb nicht erst beginnen, wenn eine Stelle akut unbesetzt ist. Erfolgreiche Betriebe betrachten Recruiting zunehmend als dauerhaften Prozess.
Wichtige Recruiting-Kennzahlen sind beispielsweise:
| Kennzahl | Bedeutung |
|---|---|
| Bewerbungen je Monat | Zeigt die grundsätzliche Arbeitgeberattraktivität |
| Bewerbungsquelle | Zeigt, welche Kanäle geeignete Kandidaten liefern |
| Bewerber-zu-Gespräch-Quote | Bewertet Passgenauigkeit der Bewerbungen |
| Gespräch-zu-Angebot-Quote | Zeigt Qualität der Vorauswahl |
| Angebot-zu-Einstellung-Quote | Macht die Wettbewerbsfähigkeit des Angebots sichtbar |
| Zeit bis zur Besetzung | Misst Geschwindigkeit des Recruiting-Prozesses |
| Fluktuation nach 6, 12 und 24 Monaten | Zeigt Qualität von Auswahl und Einarbeitung |
Quelle: IW-Report zu Fachkräfteengpässen
Ausbildung wird zum strategischen Wettbewerbsfaktor
Mit mehr als 46.000 Auszubildenden erreichten die E-Handwerke 2025 den zweithöchsten Ausbildungsbestand innerhalb von 20 Jahren. Das zeigt, dass elektrotechnische Berufe für viele junge Menschen grundsätzlich attraktiv bleiben.
Der Beruf Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik gehörte zuletzt zu den besonders häufig gewünschten Ausbildungsberufen junger Männer. Digitalisierung, Klimaschutz und moderne Energietechnik erhöhen offenbar die Wahrnehmung des Berufs als zukunftsorientierte Tätigkeit.
Trotzdem reicht es nicht aus, lediglich einen Ausbildungsplatz anzubieten. Betriebe konkurrieren heute um geeignete Bewerber. Jugendliche und ihre Eltern achten stärker auf:
- Qualität der Betreuung,
- Vergütung,
- Arbeitszeiten,
- Betriebsklima,
- Übernahmechancen,
- technische Ausstattung,
- persönliche Entwicklungsmöglichkeiten,
- Prüfungsvorbereitung,
- Sichtbarkeit des Betriebs in sozialen Medien,
- glaubwürdige Einblicke in den Berufsalltag.
Eine professionelle Ausbildung kann für einen Elektrofachbetrieb langfristig wirtschaftlicher sein als die dauerhafte Suche nach fertig ausgebildeten Fachkräften. Voraussetzung ist jedoch, dass Ausbildung strukturiert geplant und nicht lediglich als zusätzliche Arbeitskraft betrachtet wird.
Quellen: ZVEH-Ausbildungszahlen 2025, Bundesagentur für Arbeit – Ausbildungsmarkt
Zukunftstechnologien entwickeln sich unterschiedlich
Das Elektrohandwerk profitiert grundsätzlich von der Energiewende. Allerdings wachsen nicht alle Technologiebereiche gleichmäßig.
E-handwerkliche Betriebe waren 2025 unter anderem an der Installation oder Umsetzung von ungefähr folgenden Anlagen beteiligt:
- 355.000 Photovoltaikanlagen,
- 235.000 Batteriespeichern,
- 205.000 Wärmepumpen,
- 360.000 Ladepunkten.
Während die Zahl der Photovoltaik- und Speicherprojekte gegenüber dem Vorjahr zurückging, nahm die Beteiligung des E-Handwerks an Wärmepumpenprojekten deutlich zu.
Für Betriebe bedeutet das: Eine zu starke Spezialisierung auf eine einzelne Technologie kann Risiken mit sich bringen. Förderbedingungen, Energiepreise, gesetzliche Vorgaben und Verbrauchervertrauen können einzelne Märkte innerhalb kurzer Zeit verändern.
Stabiler sind häufig kombinierte Leistungen, die mehrere technische Bereiche miteinander verbinden. Dazu gehören beispielsweise:
- Modernisierung des Zählerschranks,
- Netzanschlussprüfung,
- Photovoltaikanlage,
- Batteriespeicher,
- Wallbox,
- elektrische Einbindung einer Wärmepumpe,
- Lastmanagement,
- Energiemanagementsystem,
- Verbrauchsmonitoring,
- Wartung und Fehlerdiagnose.
Der wirtschaftliche Wert entsteht dabei nicht nur durch die Montage einzelner Komponenten, sondern durch Planung, Integration, Dokumentation und langfristige Betreuung.
Quelle: ZVEH – Zukunftstechnologien im E-Handwerk
Smart Home und Smart Meter schaffen zusätzliche Geschäftsfelder
Intelligente Gebäudetechnik ist längst kein reines Nischenthema mehr. Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung nutzt fast die Hälfte der Menschen in Deutschland mindestens eine Smart-Home-Anwendung.
Besonders verbreitet sind:
- intelligente Beleuchtung,
- smarte Heizkörperthermostate,
- intelligente Steckdosen,
- Sicherheits- und Überwachungslösungen,
- digitale Verbrauchszähler.
Eine weitere Bitkom-Befragung zeigte, dass sich etwa drei Viertel der Befragten grundsätzlich vorstellen können, einen Smart Meter zu nutzen. Besonders groß ist das Interesse an einer einfachen Übersicht über den eigenen Stromverbrauch.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Sicherheitsbedenken. Viele Verbraucher sorgen sich vor Datenmissbrauch oder Angriffen auf digitalisierte Energiesysteme.
Damit entsteht für Elektrofachbetriebe eine neue Beratungsaufgabe. Kunden benötigen nicht nur technische Geräte, sondern Unterstützung bei Fragen wie:
- Welche Systeme sind miteinander kompatibel?
- Welche Daten werden gespeichert?
- Funktioniert das System auch ohne Cloud?
- Wie sicher ist der Fernzugriff?
- Wer übernimmt Wartung und Aktualisierung?
- Lassen sich Photovoltaik, Speicher, Wallbox und Wärmepumpe verbinden?
- Welche Lösung eignet sich für eine spätere Erweiterung?
Die Fähigkeit, solche Fragen verständlich zu beantworten, kann zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal werden.
Quellen: Bitkom – Nutzung von Smart-Home-Geräten, Bitkom – Smart-Meter-Nutzung
Umsatz je Mitarbeiter ist nur begrenzt aussagekräftig
Viele Unternehmen vergleichen ihre Produktivität anhand des Umsatzes je Mitarbeiter. Diese Kennzahl ist einfach zu berechnen, kann im Elektrohandwerk jedoch irreführend sein.
Ein Betrieb mit hohem Materialanteil kann einen hohen Umsatz erzielen, obwohl der eigene Wertschöpfungsanteil vergleichsweise gering ist. Auch der Einsatz von Nachunternehmern kann den Umsatz erhöhen, ohne dass sich die Produktivität der eigenen Mitarbeiter entsprechend verbessert.
Aussagekräftiger ist deshalb häufig der Rohertrag je produktivem Vollzeitmitarbeiter.
Vereinfacht kann der Rohertrag folgendermaßen berechnet werden:
Rohertrag = Umsatz abzüglich Materialeinsatz und Nachunternehmerleistungen
Anschließend wird dieser Rohertrag durch die Zahl der produktiv tätigen Vollzeitkräfte geteilt.
Diese Kennzahl ermöglicht einen besseren Vergleich zwischen:
- verschiedenen Leistungsbereichen,
- unterschiedlichen Projektarten,
- einzelnen Teams,
- Geschäftsjahren,
- Betrieben mit unterschiedlichen Materialanteilen.
Branchenspezifische Betriebsvergleiche, etwa der Busch-Jaeger-Betriebsvergleich, können zusätzliche Hinweise zu Kostenstruktur, Materialeinsatz, Personalkosten und Betriebsergebnis geben. Solche Vergleiche sollten allerdings nicht als starre Vorgaben verstanden werden. Unternehmensgröße, Region, Kundenstruktur und Leistungsangebot beeinflussen die Ergebnisse erheblich.
Quelle: Busch-Jaeger-Betriebsvergleich 2024
Bürokratie bindet wertvolle Arbeitszeit
Eine Untersuchung auf Basis des KfW-Mittelstandspanels zeigt, dass kleine und mittlere Unternehmen durchschnittlich rund sieben Prozent ihrer Arbeitszeit für gesetzliche und bürokratische Anforderungen verwenden. Im Baugewerbe lag der gemessene Anteil sogar bei 8,1 Prozent.
Im Elektrohandwerk kommen neben allgemeinen Verwaltungsaufgaben zahlreiche technische Dokumentationspflichten hinzu, beispielsweise:
- Aufmaße,
- Messprotokolle,
- Prüfberichte,
- Baustellenfotos,
- Materialnachweise,
- Abnahmeunterlagen,
- Stundenberichte,
- Dokumentation von Änderungen und Zusatzleistungen.
Fehlen diese Informationen, kann die Rechnung häufig nicht vollständig oder nicht zeitnah erstellt werden. Aus einem Dokumentationsproblem wird dadurch schnell ein Liquiditätsproblem.
Digitalisierung sollte deshalb nicht nur danach bewertet werden, ob eine neue Software eingeführt wurde. Entscheidend ist, ob sich messbare Verbesserungen ergeben.
Geeignete Kennzahlen sind unter anderem:
- Zeit von der Fertigstellung bis zur vollständigen Dokumentation,
- Zeit von der Fertigstellung bis zur Rechnungsstellung,
- Verwaltungsaufwand je Auftrag,
- Anteil vollständig digital dokumentierter Aufträge,
- fehlende Unterschriften oder Messwerte,
- Rückfragen an Monteure,
- Anzahl der Rechnungskorrekturen,
- nicht abgerechnete Zusatzleistungen.
Quelle: KfW – Bürokratiebelastung im Mittelstand
Schnelle Rechnungsstellung wird zum Liquiditätsfaktor
Viele Handwerksbetriebe konzentrieren sich auf Auftragseingang und Umsatz. Für die Liquidität ist jedoch entscheidend, wann das Geld tatsächlich auf dem Konto eingeht.
Der Creditreform-Zahlungsindikator für das zweite Halbjahr 2025 ermittelte im deutschen B2B-Geschäft eine durchschnittliche Zahlungsfrist von rund 32 Tagen. Hinzu kamen durchschnittlich etwa 7,5 Tage Zahlungsverzug. Insgesamt lagen damit fast 40 Tage zwischen Rechnungsstellung und Zahlung.
Für einen Elektrofachbetrieb kann die tatsächliche Vorfinanzierungsdauer noch länger sein. Wenn nach Abschluss einer Leistung zunächst mehrere Tage oder Wochen bis zur Rechnungsstellung vergehen, finanziert der Betrieb Löhne, Material und Fremdleistungen entsprechend länger vor.
Besonders wichtig sind deshalb drei getrennte Zeiträume:
- Leistungserbringung bis Rechnungsstellung
- Rechnungsstellung bis Fälligkeit
- Fälligkeit bis Zahlungseingang
Bei größeren Projekten können Abschlagsrechnungen nach klar definierten Leistungsständen die Kapitalbindung reduzieren. Auch Anzahlungen für materialintensive Aufträge können sinnvoll sein.
Quelle: Creditreform-Zahlungsindikator Winter 2025/26
Unternehmensnachfolge eröffnet neue Wachstumschancen
Die Alterung vieler mittelständischer Unternehmer wird in den kommenden Jahren zu zahlreichen Betriebsübergaben führen. Nach Angaben der KfW sind inzwischen 57 Prozent der mittelständischen Unternehmer mindestens 55 Jahre alt.
Bis Ende 2029 könnten jährlich rund 109.000 Unternehmen eine Nachfolgelösung suchen. Gleichzeitig besteht bei vielen kleineren Betrieben das Risiko einer Stilllegung, wenn kein geeigneter Nachfolger gefunden wird.
Für Elektrofachbetriebe eröffnet dies grundsätzlich die Möglichkeit, durch eine Übernahme zu wachsen. Besonders interessant können Unternehmen sein, die über folgende Werte verfügen:
- langjährige Kundenbeziehungen,
- Wartungs- und Prüfverträge,
- qualifizierte Mitarbeiter,
- regionale Bekanntheit,
- Rahmenverträge mit Hausverwaltungen oder Gewerbekunden,
- einen stabilen Kundendienst,
- eine gute technische Ausstattung.
Der ausgewiesene Jahresumsatz allein reicht für die Bewertung eines Betriebs jedoch nicht aus. Entscheidend sind unter anderem:
- nachhaltig erzielbarer Rohertrag,
- Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber,
- Kundenkonzentration,
- Bindung der Mitarbeiter,
- bestehende Gewährleistungsrisiken,
- offene Projekte und Forderungen,
- Zustand von Fahrzeugen und Werkzeugen,
- Qualität der Dokumentation,
- notwendige Investitionen nach der Übernahme.
Quelle: KfW – Nachfolgemonitoring Mittelstand
Diese Kennzahlen sollten Elektrofachbetriebe regelmäßig auswerten
Für eine wirkungsvolle Unternehmenssteuerung braucht es nicht möglichst viele, sondern einige klar definierte und regelmäßig aktualisierte Kennzahlen.
| Kennzahl | Berechnung beziehungsweise Inhalt |
|---|---|
| Auftragspolster | Bestätigte Reststunden geteilt durch verfügbare Wochenkapazität |
| Angebots-Trefferquote | Gewonnene Angebote geteilt durch alle entschiedenen Angebote |
| Rohertragsquote | Umsatz abzüglich Material und Fremdleistungen im Verhältnis zum Umsatz |
| Rohertrag je produktiver Vollzeitkraft | Rohertrag geteilt durch produktive Vollzeitäquivalente |
| Produktive Stundenquote | Fakturierbare Stunden im Verhältnis zu bezahlten Anwesenheitsstunden |
| Soll-Ist-Abweichung | Tatsächliche Projektstunden im Vergleich zu kalkulierten Stunden |
| Nacharbeitsquote | Nicht fakturierbare Nacharbeitsstunden im Verhältnis zu den Gesamtstunden |
| Wiederkehrender Umsatz | Anteil von Wartung, Prüfung und Rahmenverträgen am Gesamtumsatz |
| Zeit bis zur Rechnung | Tage zwischen technischer Fertigstellung und Rechnungsstellung |
| Forderungslaufzeit | Tage zwischen Rechnungsstellung und Zahlung |
| Kundenkonzentration | Umsatzanteil der größten Kunden |
| Mitarbeiterfluktuation | Austritte im Verhältnis zur durchschnittlichen Mitarbeiterzahl |
| Ausbildungsbindung | Erfolgreiche Abschlüsse und Übernahmen im Verhältnis zu Ausbildungsstarts |
| Dokumentationsquote | Vollständig dokumentierte Aufträge im Verhältnis zu allen abgeschlossenen Aufträgen |
Wichtig ist, die Kennzahlen nicht nur für den Gesamtbetrieb, sondern möglichst auch nach Leistungsbereichen auszuwerten. Ein durchschnittlich gutes Ergebnis kann einzelne unrentable Bereiche verdecken.
Die Chancen bleiben groß – die Steuerung wird anspruchsvoller
Das Elektrohandwerk besitzt langfristig gute Perspektiven. Gebäude müssen modernisiert, Energieanlagen elektrifiziert und neue Technologien fachgerecht miteinander verbunden werden. Gleichzeitig steigt der wirtschaftliche und organisatorische Anspruch an die Betriebe.
Erfolgreich werden vor allem Unternehmen sein, die nicht nur technisch gut arbeiten, sondern ihre Leistungen auch konsequent kalkulieren, dokumentieren und auswerten.
Besonders wichtig sind dabei:
- ein profitabler Leistungs- und Kundenmix,
- systematische Mitarbeitergewinnung und Ausbildung,
- kurze Dokumentations- und Rechnungsprozesse,
- wiederkehrende Wartungs- und Prüfleistungen,
- integrierte Angebote rund um Energie und Gebäudetechnik,
- eine belastbare Liquiditätsplanung,
- klare Produktivitäts- und Qualitätskennzahlen.
Nicht die Zahl der vorhandenen Aufträge allein entscheidet über die Zukunftsfähigkeit eines Elektrikerbetriebs. Entscheidend ist, wie zuverlässig diese Aufträge in Wertschöpfung, Liquidität und langfristige Kundenbeziehungen umgewandelt werden.
Redaktioneller Hinweis
Die genannten Untersuchungen beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume und Grundgesamtheiten. Einige Daten bilden die gesamten E-Handwerke ab, andere den deutschen Mittelstand, das Baugewerbe oder den allgemeinen B2B-Markt. Die Kennzahlen sind deshalb als Orientierung und nicht als unmittelbar übertragbare Sollwerte für jeden einzelnen Betrieb zu verstehen.
Datenstand: Juli 2026
