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Marktanalyse: Elektriker- und Elektroinstallationsleistungen in Deutschland

22. Juli 2026 / TraditionArt Verlag

Marktanalyse: Elektriker- und Elektroinstallationsleistungen in Deutschland

Stand: 22. Juli 2026

Gesamturteil

Der deutsche Elektrikermarkt ist langfristig ein struktureller Wachstumsmarkt, befindet sich kurzfristig jedoch in einer konjunkturell schwierigen Phase.

Im Jahr 2025 stagnierte der Branchenumsatz nominal, während die Beschäftigung zurückging. Für 2026 wird lediglich ein geringes, überwiegend preisgetriebenes Umsatzwachstum erwartet. Real dürfte die Marktleistung daher ungefähr stagnieren oder leicht sinken.

Der schwache Wohnungsneubau belastet die Branche weiterhin. Gleichzeitig entstehen große Bedarfe in den Bereichen Bestandssanierung, Wärmepumpen, Zählerschränke, intelligente Messsysteme, Ladeinfrastruktur, Energiemanagement, Gebäudeautomation sowie wiederkehrende Prüf-, Wartungs- und Instandhaltungsleistungen.

Der Markt bleibt stark mittelständisch und kleinteilig. Dadurch ergeben sich Chancen für professionell organisierte Betriebe, regionale Unternehmensgruppen, Plattformmodelle und Buy-and-Build-Strategien.

1. Marktgröße und Abgrenzung

Bei der Betrachtung der Marktzahlen muss zwischen zwei Ebenen unterschieden werden:

Abgrenzung Inhalt
Kernmarkt Elektrotechniker-Handwerk und Elektroinstallation, insbesondere der Wirtschaftszweig WZ 43.21
Breiter Markt der E-Handwerke Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektromaschinenbau

Die häufig genannte Zahl von 88,2 Milliarden Euro Umsatz bezieht sich auf den breiten Markt der drei E-Handwerke. Sie entspricht deshalb nicht vollständig dem Umsatz reiner Elektriker- oder Elektroinstallationsdienstleistungen.

Branchenkennzahlen 2025

Kennzahl Wert 2025 Entwicklung zum Vorjahr
Umsatz der E-Handwerke 88,2 Mrd. € –0,3 %
Unternehmen insgesamt 49.113 +0,5 %
Davon Elektrotechnik-Unternehmen 44.975 +0,9 %
Tätige Personen insgesamt 575.275
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 451.050 –1,2 %
Auszubildende 46.403 –0,2 %

Damit entfallen rund 92 Prozent der Unternehmen des breiten E-Handwerks auf den Kernbereich Elektrotechnik.

Rechnerisch ergeben sich knapp 1,8 Millionen Euro Umsatz und rund 11,7 tätige Personen je Unternehmen. Diese Werte sind allerdings nur Durchschnittswerte. Größere Betriebe sowie Unternehmen mit einem hohen Material- oder Handelsumsatz verzerren den Durchschnitt deutlich nach oben.

Was die 88,2 Milliarden Euro nicht darstellen

Die Zahl ist kein reiner Dienstleistungsumsatz. Darin enthalten sind unter anderem:

  • Material, Komponenten und teilweise Handelsumsätze
  • Photovoltaik-, Speicher- und Ladehardware
  • Elektrotechnische Projektleistungen
  • Informationstechnische Leistungen
  • Leistungen des Elektromaschinenbaus

Für eine präzisere Berechnung des Marktes für reine Elektriker-Dienstleistungen sollte deshalb mit der amtlichen Wirtschaftszweigklassifikation WZ 43.21 Elektroinstallation gearbeitet werden.

Der enthaltene Materialanteil müsste anschließend separat herausgerechnet werden. Für die wirtschaftliche Bewertung eines Elektroinstallationsbetriebs sind daher der Rohertrag, die Montageleistung und der Serviceumsatz häufig aussagekräftiger als der Gesamtumsatz.

2. Wirtschaftliche Entwicklung der Branche

2025: Stagnation statt Einbruch

Der Umsatz der E-Handwerke sank 2025 um 0,3 Prozent. Der Kernbereich Elektrotechnik entwickelte sich mit einem Umsatzminus von ungefähr 0,1 Prozent stabiler als die Informationstechnik, deren Umsatz deutlicher zurückging.

Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Elektrotechnikbetriebe um 0,9 Prozent. Dies spricht nicht für einen strukturellen Niedergang des Kernmarktes, sondern eher für eine konjunkturelle Abkühlung bei weiterhin hoher Gründungs- und Markteintrittsaktivität.

Die steigende Zahl der Unternehmen bei stagnierendem Gesamtumsatz kann allerdings auch zu einem zunehmenden Wettbewerb um Aufträge führen. Besonders betroffen sind Betriebe ohne klare Spezialisierung, ohne wiederkehrende Kundenverträge und mit einer starken Abhängigkeit vom Wohnungsneubau.

2026: Nominal leicht positiv, real voraussichtlich schwach

Für 2026 wird ein nominales Umsatzwachstum von rund 0,8 Prozent erwartet. Dieses Wachstum soll überwiegend durch Preissteigerungen zustande kommen.

Gleichzeitig wird mit einem weiteren Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gerechnet. Ökonomisch bedeutet das: Die Branche dürfte 2026 wertmäßig ungefähr stabil bleiben, real aber kaum wachsen.

Ein leicht steigender Umsatz wäre daher noch kein Beleg für höhere Auftragsmengen oder eine bessere Auslastung. Bei gleichzeitig steigenden Lohn-, Fahrzeug-, Energie- und Materialkosten kann die Profitabilität einzelner Betriebe sogar unter Druck geraten.

Geschäftsklima auf niedrigem Niveau

An einer Branchenumfrage im Frühjahr 2026 nahmen mehr als 1.600 Elektrobetriebe teil. Die Ergebnisse zeigen eine deutlich verhaltene Stimmung:

  • Der Geschäftsklimaindex sank auf 65,6 Punkte.
  • Nur noch 44,9 Prozent der Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage als gut.
  • 13,7 Prozent bewerteten ihre Lage als schlecht.
  • Ebenfalls 13,7 Prozent verfügten nur über einen Auftragsvorlauf von höchstens zwei Wochen.
  • 22,2 Prozent erwarteten eine weitere Verschlechterung.
  • Lediglich 17,1 Prozent rechneten mit einer Verbesserung.

Der Geschäftsklimaindex lag damit auf einem sehr niedrigen Niveau. Trotzdem meldete noch immer fast die Hälfte der Unternehmen eine gute Geschäftslage.

Der Markt ist daher zunehmend gespalten: Auf der einen Seite stehen weiterhin gut ausgelastete Spezialisten und Betriebe mit stabilen Gewerbe-, Industrie- oder Hausverwaltungskunden. Auf der anderen Seite geraten Unternehmen mit hoher Neubauabhängigkeit, schwacher Kalkulation oder wenig wiederkehrendem Geschäft stärker unter Druck.

3. Welche Marktsegmente wachsen und welche schwächeln?

A. Wohnungsneubau: derzeit stärkster Belastungsfaktor

Der Anteil des Neubaus am Umsatz der befragten Elektrobetriebe sank auf 11,9 Prozent.

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nur rund 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei Wohnungen in neu errichteten Wohngebäuden fiel der Rückgang noch etwas stärker aus.

Gleichzeitig verlängerte sich die durchschnittliche Zeit zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung. Elektroinstallationsbetriebe arbeiten häufig erst in einer relativ späten Phase des Bauprozesses. Deshalb wirken sich sinkende Baugenehmigungen und verschobene Baustarts häufig zeitverzögert auf die Branche aus.

Betroffen sind insbesondere Leistungen wie:

  • Allgemeine Elektroinstallation
  • Leitungs- und Verteilersysteme
  • Schalter- und Steckdosenprogramme
  • Beleuchtungsinstallationen
  • Netzwerk- und Kommunikationstechnik
  • Gebäudetechnik
  • Prüfungen, Abnahmen und Dokumentation

Bei den Baugenehmigungen zeigten sich 2025 und Anfang 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung. Bis sich daraus tatsächlich neue Aufträge für Elektroinstallationsbetriebe ergeben, kann es jedoch mehrere Jahre dauern.

Aufgrund der langen Planungs- und Bauzeiten dürfte eine stärkere Erholung im Elektrohandwerk frühestens schrittweise ab 2027 oder 2028 spürbar werden.

Bewertung: Kurzfristig schwach, mittelfristig vorsichtige Erholung möglich.

B. Sanierung und Gebäudebestand: größter Stabilitätsanker

Der Anteil von Sanierungsleistungen am Umsatz der befragten Elektrobetriebe lag bei rund 20,6 Prozent.

Hinzu kommen Reparaturen, Wartung, Prüfungen und kleinere Modernisierungen, die nicht vollständig unter den Begriff Sanierung fallen.

Deutschland verfügt über rund 44 Millionen Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von ungefähr 4,1 Milliarden Quadratmetern. Dieser große Gebäudebestand erzeugt einen dauerhaft hohen Bedarf an elektrotechnischen Leistungen.

Typische Aufträge sind:

  • Erneuerung alter Unterverteilungen
  • Modernisierung von Zählerschränken
  • Austausch veralteter Leitungen
  • Nachrüstung von Fehlerstromschutzschaltern
  • Installation von Überspannungsschutz
  • Erweiterung von Stromkreisen
  • Küchen- und Badsanierungen
  • Beleuchtungsmodernisierungen
  • E-Checks
  • Prüfungen nach DGUV-Vorschriften
  • Anschluss von Wärmepumpen
  • Anschluss von Photovoltaikanlagen
  • Installation von Batteriespeichern
  • Installation von Wallboxen
  • Netzwerk- und Sicherheitstechnik
  • Gebäudeautomation

Der Gebäudebestand ist weniger konjunkturabhängig als der Neubau. Außerdem bietet er bessere Voraussetzungen für langfristige Kundenbeziehungen, Wartungsverträge und wiederkehrende Serviceleistungen.

Bewertung: Stabilster und strategisch attraktivster Teilmarkt.

C. Photovoltaik und Speicher: strukturell groß, kurzfristig rückläufig

Die Zahl der von E-Handwerksbetrieben ausgeführten Photovoltaik- und Speicherinstallationen entwickelte sich 2025 rückläufig.

Technologie 2024 2025 Ungefähre Veränderung
Photovoltaikanlagen 395.000 355.000 –10 %
Stromspeicher 260.000 235.000 –10 %
Wärmepumpen 160.000 205.000 +28 %
Ladepunkte 377.000 360.000 –5 %

Bei Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern hat sich der vorherige Boom deutlich abgeschwächt.

Dennoch bleibt das Elektrohandwerk ein zentraler Vertrieb-, Planungs-, Anschluss- und Inbetriebnahmekanal. Elektrobetriebe sind an einem großen Teil der installierten Dach-Photovoltaikanlagen beteiligt.

Langfristig bleibt der Markt aufgrund der deutschen Ausbauziele groß. Kurzfristig ist er jedoch stark abhängig von:

  • Förderprogrammen
  • Strompreisen
  • Finanzierungskosten
  • Einspeisevergütungen
  • Steuerlichen Rahmenbedingungen
  • Politischen Ankündigungen
  • Verfügbarkeit von Netzanschlüssen
  • Preisentwicklung bei Modulen und Speichern

Bewertung: Struktureller Wachstumsmarkt mit hoher politischer und preislicher Volatilität.

Reine Photovoltaik-Montagebetriebe sind wirtschaftlich riskanter als Anbieter, die Photovoltaik mit Batteriespeichern, Energiemanagement, Zählerschrankumbauten, Ladeinfrastruktur, Wartung und Service kombinieren.

D. Wärmepumpen und elektrische Gebäudeversorgung: aktuelles Wachstumsfeld

Die Zahl der Wärmepumpen, an deren Installation E-Handwerksbetriebe beteiligt waren, stieg von rund 160.000 auf etwa 205.000 Anlagen. Dies entspricht einem Wachstum von ungefähr 28 Prozent.

Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der Elektrobetriebe, die in diesem Bereich tätig sind. Auch der Umsatzanteil von Wärmepumpen- und Lüftungsinstallationen nahm zu.

Für Elektriker entsteht der Umsatz nicht nur durch den direkten Anschluss des Gerätes. Typische Zusatzleistungen sind:

  • Prüfung der verfügbaren Anschlussleistung
  • Erweiterung oder Verstärkung des Hausanschlusses
  • Einrichtung neuer Stromkreise
  • Installation zusätzlicher Schutzorgane
  • Umbau des Zählerschranks
  • Anmeldung beim Netzbetreiber
  • Einbindung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen
  • Installation von Steuer- und Kommunikationsleitungen
  • Verbindung mit einer Photovoltaikanlage
  • Verbindung mit einem Batteriespeicher
  • Einrichtung eines Energiemanagementsystems
  • Anschluss elektrischer Zusatz- oder Notheizungen

Besonders attraktiv ist dieser Markt für Elektroinstallationsbetriebe, die eng mit Heizungs-, Klima- und Sanitärunternehmen zusammenarbeiten.

Bewertung: Sehr attraktiver Wachstumsbereich, insbesondere in Verbindung mit Bestandssanierung und Gebäudetechnik.

E. Ladeinfrastruktur: wachsender Bestand, schwankendes Neugeschäft

Zum 1. Juni 2026 waren bei der Bundesnetzagentur registriert:

  • 152.915 öffentliche Normalladepunkte
  • 53.292 öffentliche Schnellladepunkte
  • Insgesamt 206.207 öffentliche Ladepunkte
  • Gesamtladeleistung von rund 8,87 Gigawatt

Private Wallboxen sowie nicht öffentlich zugängliche Ladepunkte von Unternehmen, Wohnanlagen und Flotten sind in diesen Zahlen nicht vollständig enthalten.

Obwohl die Zahl der neu durch E-Handwerksbetriebe installierten Ladepunkte 2025 leicht zurückging, wächst der installierte Gesamtbestand weiter.

Dadurch verschiebt sich das Geschäft zunehmend von einzelnen privaten Wallboxen hin zu komplexeren Lösungen:

  • Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern
  • Lösungen für Wohnungseigentümergemeinschaften
  • Ladepunkte für Firmenflotten
  • Ladeinfrastruktur für Parkhäuser
  • Lösungen für Gewerbeimmobilien
  • Last- und Lademanagement
  • Abrechnungssysteme
  • Wartung und Störungsbehebung
  • Erweiterung bestehender Standorte
  • Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeichern

Bewertung: Kurzfristig kein flächendeckender Boom, aber ein dauerhaft wachsender Infrastruktur- und Servicemarkt.

F. Intelligente Messsysteme, Zählerschränke und steuerbare Verbraucher

Zum Ende des Jahres 2025 gab es mehrere Millionen relevante Pflichtfälle für intelligente Messsysteme. Nur ein Teil dieser Fälle war bereits mit entsprechenden Systemen ausgestattet.

Damit besteht weiterhin eine große Rollout-Pipeline.

Zusätzlich gelten für neue steuerbare Verbrauchseinrichtungen besondere technische Anforderungen. Dazu gehören insbesondere:

  • Private Ladeeinrichtungen
  • Wärmepumpen
  • Klimaanlagen
  • Bestimmte Batteriespeicher

Neue Anlagen müssen grundsätzlich so eingebunden werden, dass eine netzorientierte Steuerung möglich ist.

Dies erhöht den Bedarf an:

  • Modernen Zählerplätzen
  • Steuerleitungen
  • Kommunikationssystemen
  • Lastmanagement
  • Energiemanagement
  • Dokumentation
  • Abstimmung mit Netz- und Messstellenbetreibern
  • Anpassung bestehender Elektroverteilungen

Bewertung: Vergleichsweise planbares, regulatorisch getriebenes Wachstumsfeld. Besonders attraktiv für Betriebe mit Kompetenzen in Mess-, Steuer-, Kommunikations- und Energiemanagementtechnik.

4. Personalmarkt und Ausbildung

Der Personalmangel ist nicht verschwunden, hat sich konjunkturell aber etwas abgeschwächt.

Zuletzt wurde der Bedarf in den E-Handwerken auf rund 65.000 offene Stellen geschätzt. In einer Erhebung meldeten etwa 46 Prozent der Betriebe offene Stellen.

Gleichzeitig ging die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 2025 um 1,2 Prozent zurück. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich dadurch erklären, dass Personalbedarf und Geschäftslage je nach Region und Spezialisierung sehr unterschiedlich sind.

Gut ausgelastete Unternehmen suchen weiterhin Fachkräfte. Schwächere oder stark neubauabhängige Betriebe stellen dagegen weniger ein oder reduzieren ihre Beschäftigung.

Mit 46.403 Auszubildenden wurde 2025 trotz eines leichten Rückgangs ein vergleichsweise hoher Ausbildungsstand erreicht. Der größte Teil der Auszubildenden entfällt auf die Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik.

Der Frauenanteil ist weiterhin sehr niedrig. Daraus ergibt sich ein zusätzliches Potenzial für die Fachkräftegewinnung.

Für Elektrofirmen bleibt Personal gleichzeitig:

  • Eine Wachstumsbegrenzung
  • Ein wesentlicher Kostenfaktor
  • Eine Markteintrittsbarriere
  • Ein wichtiger Wettbewerbsfaktor
  • Ein zentraler Werttreiber bei Unternehmensübernahmen

Besonders knapp sind erfahrene Gesellen, Bauleiter, Projektleiter, Kundendiensttechniker und Elektromeister.

5. Marktstruktur und Wettbewerb

Das deutsche Handwerk ist stark mittelständisch geprägt. Nahezu alle Handwerksunternehmen gehören zu den kleinen und mittleren Unternehmen.

Auch der Elektrikermarkt besteht überwiegend aus kleinen, lokalen und regionalen Betrieben.

Typische Marktmerkmale sind:

  • Sehr viele lokale und regionale Anbieter
  • Wenige überregionale Marken
  • Starke Abhängigkeit vom Inhaber
  • Persönliche und langjährige Kundenbeziehungen
  • Unterschiedliche Spezialisierungsgrade
  • Teilweise geringe Digitalisierung
  • Schwankende Qualität bei Kalkulation und Projektsteuerung
  • Begrenzte Vertriebsstrukturen
  • Zunehmende Nachfolgeprobleme

Viele kleinere Unternehmen verfügen über einen guten lokalen Ruf und einen stabilen Kundenstamm, sind organisatorisch jedoch stark von einzelnen Personen abhängig.

Daraus ergeben sich Chancen für größere Unternehmensgruppen, die zentrale Funktionen standardisieren können, beispielsweise:

  • Einkauf
  • Personalgewinnung
  • Buchhaltung
  • Marketing
  • Angebotskalkulation
  • IT-Systeme
  • Fuhrparkmanagement
  • Materiallogistik
  • Auftragsdisposition
  • Weiterbildung
  • Arbeitssicherheit

Eine Konsolidierung des Marktes ist grundsätzlich möglich. Sie wird jedoch dadurch erschwert, dass regionale Kundenbeziehungen, Meisterqualifikation, lokale Mitarbeiterbindung und operative Steuerung eine große Rolle spielen.

6. Wirtschaftlich besonders attraktive Geschäftsmodelle

Wiederkehrender Service und Instandhaltung

Dazu gehören:

  • Störungsdienst
  • Wartungsverträge
  • E-Checks
  • Prüfungen nach DGUV-Vorschriften
  • Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel
  • Sicherheitsbeleuchtung
  • Brandmeldeanlagen
  • Notstromsysteme
  • Regelmäßige Anlageninspektionen

Diese Leistungen sind weniger abhängig vom Neubau und weisen häufig einen geringeren Materialanteil auf.

Sie ermöglichen außerdem wiederkehrende Umsätze und eine bessere Planbarkeit der Auslastung.

Gewerbe-, Industrie- und Immobilienkunden

Besonders attraktiv sind:

  • Rahmenverträge mit Unternehmen
  • Filialnetze
  • Hausverwaltungen
  • Wohnungsgesellschaften
  • Kommunale Auftraggeber
  • Facility-Management-Unternehmen
  • Industrie- und Logistikstandorte
  • Hotels, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser

Diese Kunden bieten häufig wiederkehrendes Auftragsvolumen und bessere Möglichkeiten zur Standardisierung.

Allerdings können längere Zahlungsziele, Ausschreibungen und ein höherer Preisdruck die Profitabilität belasten.

Bestandssanierung und Zählerschrankmodernisierung

Dieser Bereich profitiert gleichzeitig von:

  • Alternden Elektroinstallationen
  • Wärmepumpen
  • Photovoltaikanlagen
  • Batteriespeichern
  • Wallboxen
  • Intelligenten Messsystemen
  • Höheren elektrischen Anschlussleistungen

Zählerschrankmodernisierungen sind besonders attraktiv, weil sie häufig Voraussetzung für weitere Leistungen sind und dadurch zusätzliche Aufträge auslösen.

Gebäudeautomation und Energiemanagement

Die Verbindung verschiedener technischer Systeme erhöht die Komplexität und reduziert den reinen Preiswettbewerb.

Dazu gehören:

  • KNX-Systeme
  • Beleuchtungssteuerung
  • Lastmanagement
  • Lademanagement
  • Photovoltaik
  • Batteriespeicher
  • Wärmepumpen
  • Dynamische Stromtarife
  • Verbrauchsoptimierung
  • Gebäudeleittechnik

Betriebe mit entsprechenden Kompetenzen können sich stärker als Systemintegrator und weniger als reiner Installationsdienstleister positionieren.

Kooperation zwischen Elektro- und SHK-Unternehmen

Die Kombination von Elektro-, Heizungs-, Klima- und Sanitärleistungen ermöglicht höhere Auftragswerte und eine einheitlichere Kundenschnittstelle.

Dies ist besonders relevant bei:

  • Wärmepumpen
  • Energetischen Gebäudesanierungen
  • Photovoltaik und Speicher
  • Elektrischer Warmwasserbereitung
  • Lüftungsanlagen
  • Energiemanagement
  • Smart-Home-Systemen

7. Wirtschaftlich riskantere Geschäftsmodelle

Überdurchschnittlich riskant sind:

  • Starke Abhängigkeit vom Wohnungsneubau
  • Reine Photovoltaik-Montage ohne Serviceangebot
  • Hoher Hardwareumsatz bei geringer eigener Wertschöpfung
  • Große Festpreisprojekte mit langen Laufzeiten
  • Unzureichende Nachtragsregelungen
  • Hohe Materialvorfinanzierung
  • Geringe Vorauszahlungen
  • Abhängigkeit von einzelnen Großkunden
  • Starke Abhängigkeit vom Inhaber oder einem einzelnen Meister
  • Unstrukturierte Kleinaufträge mit langen Fahrtzeiten
  • Fehlende digitale Auftragssteuerung
  • Unzureichende Kalkulation von Arbeits- und Fahrtzeiten

Besonders problematisch ist ein hoher Umsatz, der überwiegend aus weiterverkaufter Hardware besteht. In solchen Fällen kann der Gesamtumsatz groß erscheinen, obwohl der tatsächliche Rohertrag und die operative Marge gering sind.

8. Ausblick 2026 bis 2030

2026

Das Jahr 2026 dürfte ein Übergangs- und Konsolidierungsjahr werden.

Zu erwarten sind:

  • Leicht steigende nominale Umsätze
  • Real kaum Wachstum
  • Schwache Neubaufertigstellungen
  • Weiterer Beschäftigungsrückgang
  • Hohe Unterschiede zwischen einzelnen Betrieben
  • Zunehmender Preis- und Wettbewerbsdruck
  • Weiteres Wachstum in ausgewählten technischen Spezialsegmenten

2027 und 2028

Eine schrittweise Verbesserung ist möglich, sofern sich die steigenden Baugenehmigungen tatsächlich in Baustarts und Fertigstellungen umsetzen.

Aufgrund der langen Bauzeiten ist keine unmittelbare Erholung zu erwarten. Sanierung, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur sowie Mess- und Steuertechnik dürften früher Wachstumsimpulse liefern als der klassische Wohnungsneubau.

Bis 2030

Der strukturelle Bedarf an Elektriker- und Elektroinstallationsleistungen dürfte insgesamt wachsen.

Wichtige Treiber sind:

  • Elektrifizierung der Wärmeversorgung
  • Elektrifizierung des Verkehrs
  • Ausbau von Photovoltaik
  • Ausbau von Batteriespeichern
  • Intelligente Stromnetze
  • Intelligente Messsysteme
  • Modernisierung des Gebäudebestands
  • Steigende elektrische Anschlussleistungen
  • Gebäudeautomation
  • Digitalisierung
  • Sicherheits- und Prüfpflichten
  • Fachkräftemangel
  • Alterung bestehender Elektroanlagen

Das Wachstum wird allerdings nicht gleichmäßig verlaufen. Politische Entscheidungen, Förderprogramme, Bauzinsen, Energiepreise und regulatorische Änderungen können einzelne Marktsegmente stark beschleunigen oder abbremsen.

9. Hinweis zur Datenhistorie

Bei den Branchenumsätzen besteht ein methodischer Bruch beziehungsweise eine nachträgliche Revision.

Für das Jahr 2024 wurde zunächst ein Umsatz von 84,3 Milliarden Euro veröffentlicht. Spätere Branchenkennzahlen verwendeten auf Basis neuerer statistischer Daten für 2024 einen Vergleichswert von ungefähr 88,4 Milliarden Euro.

Daher dürfen die zunächst veröffentlichten 84,3 Milliarden Euro für 2024 nicht unmittelbar mit den 88,2 Milliarden Euro für 2025 verglichen werden. Ein solcher Vergleich würde fälschlicherweise den Eindruck eines starken Wachstums vermitteln.

Für eine belastbare mehrjährige Marktanalyse müssen sämtliche Jahreswerte auf einer einheitlichen statistischen Grundlage beruhen.

Der Markt für Elektriker- und Elektroinstallationsdienstleistungen befindet sich nicht mehr in einem flächendeckenden Boom. Gleichzeitig handelt es sich nicht um eine strukturell schrumpfende Branche.

Vielmehr verschiebt sich die wirtschaftliche Bedeutung der einzelnen Marktsegmente:

Weg vom konjunkturabhängigen Neubau und von einzelnen Hardwareinstallationen – hin zu Sanierung, Service, Systemintegration, Wärmepumpen, Mess- und Steuertechnik sowie wiederkehrenden gewerblichen Leistungen.

Für 2026 ist mit einem real schwachen Gesamtmarkt zu rechnen. Mittel- und langfristig bleibt die Branche aufgrund der Elektrifizierung, des großen Gebäudebestands und der zunehmenden technischen Anforderungen attraktiv.

Besonders gute wirtschaftliche Aussichten haben Betriebe, die:

  • Einen hohen Anteil wiederkehrender Umsätze erzielen
  • Gewerbe-, Industrie- und Immobilienkunden betreuen
  • Im Gebäudebestand tätig sind
  • Zählerschränke und Elektroverteilungen modernisieren
  • Wärmepumpen, Photovoltaik, Speicher und Ladeinfrastruktur verbinden
  • Gebäudeautomation und Energiemanagement anbieten
  • Arbeitszeiten, Material und Nachträge professionell kalkulieren
  • Digitale Prozesse für Disposition und Projektsteuerung einsetzen
  • Weniger stark vom Wohnungsneubau abhängig sind

Quellen und weiterführende Links

Branchenkennzahlen und Konjunktur

  1. ZVEH – Branchenkennzahlen der E-Handwerke
  2. ZVEH – Branchenkennzahlen 2025: Ein Jahr der Stagnation
  3. ZVEH – Frühjahrskonjunkturumfrage 2026
  4. ZVEH – Branchenkennzahlen der E-Handwerke für 2024
  5. Elektrowirtschaft – Branchenkennzahlen 2025 für E-Handwerke
  6. E-Handwerk Niederrhein – ZVEH-Frühjahrskonjunkturumfrage 2026

Zukunftstechnologien

  1. ZVEH – Installationszahlen für Zukunftstechnologien
  2. Elektrowirtschaft – Entwicklung von Photovoltaik-, Speicher- und Wärmepumpeninstallationen
  3. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – Photovoltaik-Ausbauziele

Wohnungsbau und Gebäudebestand

  1. Statistisches Bundesamt – Wohnungsfertigstellungen 2025
  2. Statistisches Bundesamt – Baugenehmigungen 2025
  3. Statistisches Bundesamt – Wohnen und Gebäudebestand
  4. Statistisches Bundesamt – Struktur des deutschen Handwerks

Ladeinfrastruktur, Smart Meter und steuerbare Verbraucher

  1. Bundesnetzagentur – Öffentliche Ladeinfrastruktur
  2. Bundesnetzagentur – Intelligente Messsysteme und Smart-Meter-Rollout
  3. Bundesnetzagentur – Steuerbare Verbrauchseinrichtungen

Fachkräfte und Ausbildung

  1. ZVEH – Fachkräftebedarf in den E-Handwerken
  2. Elektrowirtschaft – Ausbildungszahlen im E-Handwerk 2025
  3. Bundesagentur für Arbeit – Fachkräfteengpassanalyse

Markt- und Strukturstudien

  1. Psyma – Strukturanalyse Elektrotechnik 2025