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Elektrohandwerk 2026
Elektrohandwerk 2026: Welche Kennzahlen, Trends und Entwicklungen Betriebe kennen sollten
Fachkräftemangel, Energiewende, Digitalisierung und steigender Kostendruck verändern das Elektrohandwerk. Aktuelle Branchenzahlen zeigen, wo Chancen entstehen – und welche betriebswirtschaftlichen Kennzahlen für Elektrikerbetriebe immer wichtiger werden.
Das Elektrohandwerk gehört zu den zentralen Branchen für die Modernisierung von Gebäuden, die Energiewende und die zunehmende Elektrifizierung des Alltags. Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen, intelligente Gebäudetechnik und digitale Messsysteme sorgen grundsätzlich für einen wachsenden Bedarf an elektrotechnischen Leistungen.
Gleichzeitig stehen viele Elektrofachbetriebe vor erheblichen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel begrenzt die verfügbaren Kapazitäten, die Baukonjunktur bleibt angespannt, Bürokratie bindet Arbeitszeit und Kunden reagieren zunehmend sensibel auf Preise. Auch volle Auftragsbücher garantieren nicht automatisch eine gute Ertragslage.
Eine Auswertung aktueller Studien, Umfragen und Branchenkennzahlen zeigt, welche Entwicklungen Elektrikerbetriebe besonders aufmerksam beobachten sollten.
Das Elektrohandwerk bleibt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor
Nach den aktuellen Branchenkennzahlen des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke umfasst die Branche rund:
- 49.000 Betriebe,
- 575.000 tätige Personen,
- mehr als 46.000 Auszubildende,
- rund 88 Milliarden Euro Jahresumsatz.
Damit zählen die E-Handwerke zu den größten handwerklichen Wirtschaftsbereichen Deutschlands. Sie sind sowohl für den klassischen Gebäudebetrieb als auch für die Energie- und Mobilitätswende unverzichtbar.
Die Größe des Gesamtmarktes darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe eingetrübt hat. Im Frühjahr 2026 erreichte der Geschäftsklimaindex der E-Handwerke mit 65,6 Punkten den niedrigsten Stand seit mehr als 15 Jahren. Nur noch 44,9 Prozent der befragten Betriebe bezeichneten ihre Geschäftslage als gut. Gleichzeitig meldeten weiterhin rund 46 Prozent offene Stellen.
Diese Kombination ist ungewöhnlich: Einerseits schwächt sich die Nachfrage in Teilen des Marktes ab, andererseits fehlen weiterhin qualifizierte Mitarbeiter. Für Betriebe bedeutet das, dass Wachstum nicht mehr allein über einen möglichst hohen Auftragseingang gesteuert werden kann.
Entscheidend wird vielmehr, welche Aufträge angenommen werden, wie profitabel sie ausgeführt werden und welche Kapazitäten dafür benötigt werden.
Quellen: ZVEH-Branchenkennzahlen, ZVEH-Konjunkturberichte
Volle Auftragsbücher sind nicht automatisch ein Zeichen wirtschaftlicher Stärke
Ein hoher Auftragsbestand wird im Handwerk häufig als wichtigster Erfolgsindikator betrachtet. Er sagt jedoch zunächst nur aus, dass Arbeit vorhanden ist. Über die Wirtschaftlichkeit der Aufträge gibt er keine Auskunft.
Ein Betrieb kann über Monate ausgelastet sein und trotzdem zu geringe Ergebnisse erwirtschaften, wenn beispielsweise:
- Materialkosten nicht vollständig weiterberechnet werden,
- Zusatzleistungen nicht dokumentiert werden,
- zu viele unbezahlte Fahr-, Warte- oder Rüstzeiten entstehen,
- Projekte mehr Arbeitsstunden benötigen als kalkuliert,
- Rechnungen erst lange nach der Fertigstellung geschrieben werden,
- Nacharbeiten und Reklamationen nicht ausgewertet werden.
Deshalb sollte der Auftragsbestand nicht nur in Euro, sondern auch in verfügbaren Arbeitsstunden beziehungsweise produktiven Wochen betrachtet werden.
Zusätzlich empfiehlt sich eine getrennte Auswertung verschiedener Leistungsbereiche. Dazu können beispielsweise gehören:
- Kundendienst und Störungsbeseitigung,
- Sanierung und Modernisierung,
- Neubau,
- Gewerbe- und Industriekunden,
- Hausverwaltungen,
- Prüfleistungen,
- Photovoltaik und Speicher,
- Ladeinfrastruktur,
- Wärmepumpen-Elektrik,
- Smart Home und Gebäudetechnik.
Erst diese Differenzierung zeigt, welche Geschäftsfelder tatsächlich zur Stabilität und Rentabilität eines Betriebs beitragen.
Der Fachkräftemangel bleibt eines der größten Wachstumshemmnisse
Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist weiterhin ein zentrales Problem des Elektrohandwerks. Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft errechnete für das Jahr 2024 allein in der Bauelektrik eine Fachkräftelücke von rund 10.500 Personen. Weitere Engpässe bestanden unter anderem in der elektrischen Betriebstechnik.
Von einer Fachkräftelücke wird gesprochen, wenn rechnerisch mehr offene Stellen vorhanden sind als passend qualifizierte arbeitslose Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Für Elektrofachbetriebe hat dies mehrere Folgen:
- Neue Aufträge können nicht immer angenommen werden.
- Bestehende Mitarbeiter werden stärker belastet.
- Lohn- und Personalnebenkosten steigen.
- Die Suche nach Fachkräften wird zeit- und kostenintensiver.
- Fehler, Verzögerungen und krankheitsbedingte Ausfälle können zunehmen.
- Die Abhängigkeit von einzelnen Leistungsträgern wächst.
Personalgewinnung sollte deshalb nicht erst beginnen, wenn eine Stelle akut unbesetzt ist. Erfolgreiche Betriebe betrachten Recruiting zunehmend als dauerhaften Prozess.
Wichtige Recruiting-Kennzahlen sind beispielsweise:
| Kennzahl | Bedeutung |
|---|---|
| Bewerbungen je Monat | Zeigt die grundsätzliche Arbeitgeberattraktivität |
| Bewerbungsquelle | Zeigt, welche Kanäle geeignete Kandidaten liefern |
| Bewerber-zu-Gespräch-Quote | Bewertet Passgenauigkeit der Bewerbungen |
| Gespräch-zu-Angebot-Quote | Zeigt Qualität der Vorauswahl |
| Angebot-zu-Einstellung-Quote | Macht die Wettbewerbsfähigkeit des Angebots sichtbar |
| Zeit bis zur Besetzung | Misst Geschwindigkeit des Recruiting-Prozesses |
| Fluktuation nach 6, 12 und 24 Monaten | Zeigt Qualität von Auswahl und Einarbeitung |
Quelle: IW-Report zu Fachkräfteengpässen
Ausbildung wird zum strategischen Wettbewerbsfaktor
Mit mehr als 46.000 Auszubildenden erreichten die E-Handwerke 2025 den zweithöchsten Ausbildungsbestand innerhalb von 20 Jahren. Das zeigt, dass elektrotechnische Berufe für viele junge Menschen grundsätzlich attraktiv bleiben.
Der Beruf Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik gehörte zuletzt zu den besonders häufig gewünschten Ausbildungsberufen junger Männer. Digitalisierung, Klimaschutz und moderne Energietechnik erhöhen offenbar die Wahrnehmung des Berufs als zukunftsorientierte Tätigkeit.
Trotzdem reicht es nicht aus, lediglich einen Ausbildungsplatz anzubieten. Betriebe konkurrieren heute um geeignete Bewerber. Jugendliche und ihre Eltern achten stärker auf:
- Qualität der Betreuung,
- Vergütung,
- Arbeitszeiten,
- Betriebsklima,
- Übernahmechancen,
- technische Ausstattung,
- persönliche Entwicklungsmöglichkeiten,
- Prüfungsvorbereitung,
- Sichtbarkeit des Betriebs in sozialen Medien,
- glaubwürdige Einblicke in den Berufsalltag.
Eine professionelle Ausbildung kann für einen Elektrofachbetrieb langfristig wirtschaftlicher sein als die dauerhafte Suche nach fertig ausgebildeten Fachkräften. Voraussetzung ist jedoch, dass Ausbildung strukturiert geplant und nicht lediglich als zusätzliche Arbeitskraft betrachtet wird.
Quellen: ZVEH-Ausbildungszahlen 2025, Bundesagentur für Arbeit – Ausbildungsmarkt
Zukunftstechnologien entwickeln sich unterschiedlich
Das Elektrohandwerk profitiert grundsätzlich von der Energiewende. Allerdings wachsen nicht alle Technologiebereiche gleichmäßig.
E-handwerkliche Betriebe waren 2025 unter anderem an der Installation oder Umsetzung von ungefähr folgenden Anlagen beteiligt:
- 355.000 Photovoltaikanlagen,
- 235.000 Batteriespeichern,
- 205.000 Wärmepumpen,
- 360.000 Ladepunkten.
Während die Zahl der Photovoltaik- und Speicherprojekte gegenüber dem Vorjahr zurückging, nahm die Beteiligung des E-Handwerks an Wärmepumpenprojekten deutlich zu.
Für Betriebe bedeutet das: Eine zu starke Spezialisierung auf eine einzelne Technologie kann Risiken mit sich bringen. Förderbedingungen, Energiepreise, gesetzliche Vorgaben und Verbrauchervertrauen können einzelne Märkte innerhalb kurzer Zeit verändern.
Stabiler sind häufig kombinierte Leistungen, die mehrere technische Bereiche miteinander verbinden. Dazu gehören beispielsweise:
- Modernisierung des Zählerschranks,
- Netzanschlussprüfung,
- Photovoltaikanlage,
- Batteriespeicher,
- Wallbox,
- elektrische Einbindung einer Wärmepumpe,
- Lastmanagement,
- Energiemanagementsystem,
- Verbrauchsmonitoring,
- Wartung und Fehlerdiagnose.
Der wirtschaftliche Wert entsteht dabei nicht nur durch die Montage einzelner Komponenten, sondern durch Planung, Integration, Dokumentation und langfristige Betreuung.
Quelle: ZVEH – Zukunftstechnologien im E-Handwerk
Smart Home und Smart Meter schaffen zusätzliche Geschäftsfelder
Intelligente Gebäudetechnik ist längst kein reines Nischenthema mehr. Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung nutzt fast die Hälfte der Menschen in Deutschland mindestens eine Smart-Home-Anwendung.
Besonders verbreitet sind:
- intelligente Beleuchtung,
- smarte Heizkörperthermostate,
- intelligente Steckdosen,
- Sicherheits- und Überwachungslösungen,
- digitale Verbrauchszähler.
Eine weitere Bitkom-Befragung zeigte, dass sich etwa drei Viertel der Befragten grundsätzlich vorstellen können, einen Smart Meter zu nutzen. Besonders groß ist das Interesse an einer einfachen Übersicht über den eigenen Stromverbrauch.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Sicherheitsbedenken. Viele Verbraucher sorgen sich vor Datenmissbrauch oder Angriffen auf digitalisierte Energiesysteme.
Damit entsteht für Elektrofachbetriebe eine neue Beratungsaufgabe. Kunden benötigen nicht nur technische Geräte, sondern Unterstützung bei Fragen wie:
- Welche Systeme sind miteinander kompatibel?
- Welche Daten werden gespeichert?
- Funktioniert das System auch ohne Cloud?
- Wie sicher ist der Fernzugriff?
- Wer übernimmt Wartung und Aktualisierung?
- Lassen sich Photovoltaik, Speicher, Wallbox und Wärmepumpe verbinden?
- Welche Lösung eignet sich für eine spätere Erweiterung?
Die Fähigkeit, solche Fragen verständlich zu beantworten, kann zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal werden.
Quellen: Bitkom – Nutzung von Smart-Home-Geräten, Bitkom – Smart-Meter-Nutzung
Umsatz je Mitarbeiter ist nur begrenzt aussagekräftig
Viele Unternehmen vergleichen ihre Produktivität anhand des Umsatzes je Mitarbeiter. Diese Kennzahl ist einfach zu berechnen, kann im Elektrohandwerk jedoch irreführend sein.
Ein Betrieb mit hohem Materialanteil kann einen hohen Umsatz erzielen, obwohl der eigene Wertschöpfungsanteil vergleichsweise gering ist. Auch der Einsatz von Nachunternehmern kann den Umsatz erhöhen, ohne dass sich die Produktivität der eigenen Mitarbeiter entsprechend verbessert.
Aussagekräftiger ist deshalb häufig der Rohertrag je produktivem Vollzeitmitarbeiter.
Vereinfacht kann der Rohertrag folgendermaßen berechnet werden:
Rohertrag = Umsatz abzüglich Materialeinsatz und Nachunternehmerleistungen
Anschließend wird dieser Rohertrag durch die Zahl der produktiv tätigen Vollzeitkräfte geteilt.
Diese Kennzahl ermöglicht einen besseren Vergleich zwischen:
- verschiedenen Leistungsbereichen,
- unterschiedlichen Projektarten,
- einzelnen Teams,
- Geschäftsjahren,
- Betrieben mit unterschiedlichen Materialanteilen.
Branchenspezifische Betriebsvergleiche, etwa der Busch-Jaeger-Betriebsvergleich, können zusätzliche Hinweise zu Kostenstruktur, Materialeinsatz, Personalkosten und Betriebsergebnis geben. Solche Vergleiche sollten allerdings nicht als starre Vorgaben verstanden werden. Unternehmensgröße, Region, Kundenstruktur und Leistungsangebot beeinflussen die Ergebnisse erheblich.
Quelle: Busch-Jaeger-Betriebsvergleich 2024
Bürokratie bindet wertvolle Arbeitszeit
Eine Untersuchung auf Basis des KfW-Mittelstandspanels zeigt, dass kleine und mittlere Unternehmen durchschnittlich rund sieben Prozent ihrer Arbeitszeit für gesetzliche und bürokratische Anforderungen verwenden. Im Baugewerbe lag der gemessene Anteil sogar bei 8,1 Prozent.
Im Elektrohandwerk kommen neben allgemeinen Verwaltungsaufgaben zahlreiche technische Dokumentationspflichten hinzu, beispielsweise:
- Aufmaße,
- Messprotokolle,
- Prüfberichte,
- Baustellenfotos,
- Materialnachweise,
- Abnahmeunterlagen,
- Stundenberichte,
- Dokumentation von Änderungen und Zusatzleistungen.
Fehlen diese Informationen, kann die Rechnung häufig nicht vollständig oder nicht zeitnah erstellt werden. Aus einem Dokumentationsproblem wird dadurch schnell ein Liquiditätsproblem.
Digitalisierung sollte deshalb nicht nur danach bewertet werden, ob eine neue Software eingeführt wurde. Entscheidend ist, ob sich messbare Verbesserungen ergeben.
Geeignete Kennzahlen sind unter anderem:
- Zeit von der Fertigstellung bis zur vollständigen Dokumentation,
- Zeit von der Fertigstellung bis zur Rechnungsstellung,
- Verwaltungsaufwand je Auftrag,
- Anteil vollständig digital dokumentierter Aufträge,
- fehlende Unterschriften oder Messwerte,
- Rückfragen an Monteure,
- Anzahl der Rechnungskorrekturen,
- nicht abgerechnete Zusatzleistungen.
Quelle: KfW – Bürokratiebelastung im Mittelstand
Schnelle Rechnungsstellung wird zum Liquiditätsfaktor
Viele Handwerksbetriebe konzentrieren sich auf Auftragseingang und Umsatz. Für die Liquidität ist jedoch entscheidend, wann das Geld tatsächlich auf dem Konto eingeht.
Der Creditreform-Zahlungsindikator für das zweite Halbjahr 2025 ermittelte im deutschen B2B-Geschäft eine durchschnittliche Zahlungsfrist von rund 32 Tagen. Hinzu kamen durchschnittlich etwa 7,5 Tage Zahlungsverzug. Insgesamt lagen damit fast 40 Tage zwischen Rechnungsstellung und Zahlung.
Für einen Elektrofachbetrieb kann die tatsächliche Vorfinanzierungsdauer noch länger sein. Wenn nach Abschluss einer Leistung zunächst mehrere Tage oder Wochen bis zur Rechnungsstellung vergehen, finanziert der Betrieb Löhne, Material und Fremdleistungen entsprechend länger vor.
Besonders wichtig sind deshalb drei getrennte Zeiträume:
- Leistungserbringung bis Rechnungsstellung
- Rechnungsstellung bis Fälligkeit
- Fälligkeit bis Zahlungseingang
Bei größeren Projekten können Abschlagsrechnungen nach klar definierten Leistungsständen die Kapitalbindung reduzieren. Auch Anzahlungen für materialintensive Aufträge können sinnvoll sein.
Quelle: Creditreform-Zahlungsindikator Winter 2025/26
Unternehmensnachfolge eröffnet neue Wachstumschancen
Die Alterung vieler mittelständischer Unternehmer wird in den kommenden Jahren zu zahlreichen Betriebsübergaben führen. Nach Angaben der KfW sind inzwischen 57 Prozent der mittelständischen Unternehmer mindestens 55 Jahre alt.
Bis Ende 2029 könnten jährlich rund 109.000 Unternehmen eine Nachfolgelösung suchen. Gleichzeitig besteht bei vielen kleineren Betrieben das Risiko einer Stilllegung, wenn kein geeigneter Nachfolger gefunden wird.
Für Elektrofachbetriebe eröffnet dies grundsätzlich die Möglichkeit, durch eine Übernahme zu wachsen. Besonders interessant können Unternehmen sein, die über folgende Werte verfügen:
- langjährige Kundenbeziehungen,
- Wartungs- und Prüfverträge,
- qualifizierte Mitarbeiter,
- regionale Bekanntheit,
- Rahmenverträge mit Hausverwaltungen oder Gewerbekunden,
- einen stabilen Kundendienst,
- eine gute technische Ausstattung.
Der ausgewiesene Jahresumsatz allein reicht für die Bewertung eines Betriebs jedoch nicht aus. Entscheidend sind unter anderem:
- nachhaltig erzielbarer Rohertrag,
- Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber,
- Kundenkonzentration,
- Bindung der Mitarbeiter,
- bestehende Gewährleistungsrisiken,
- offene Projekte und Forderungen,
- Zustand von Fahrzeugen und Werkzeugen,
- Qualität der Dokumentation,
- notwendige Investitionen nach der Übernahme.
Quelle: KfW – Nachfolgemonitoring Mittelstand
Diese Kennzahlen sollten Elektrofachbetriebe regelmäßig auswerten
Für eine wirkungsvolle Unternehmenssteuerung braucht es nicht möglichst viele, sondern einige klar definierte und regelmäßig aktualisierte Kennzahlen.
| Kennzahl | Berechnung beziehungsweise Inhalt |
|---|---|
| Auftragspolster | Bestätigte Reststunden geteilt durch verfügbare Wochenkapazität |
| Angebots-Trefferquote | Gewonnene Angebote geteilt durch alle entschiedenen Angebote |
| Rohertragsquote | Umsatz abzüglich Material und Fremdleistungen im Verhältnis zum Umsatz |
| Rohertrag je produktiver Vollzeitkraft | Rohertrag geteilt durch produktive Vollzeitäquivalente |
| Produktive Stundenquote | Fakturierbare Stunden im Verhältnis zu bezahlten Anwesenheitsstunden |
| Soll-Ist-Abweichung | Tatsächliche Projektstunden im Vergleich zu kalkulierten Stunden |
| Nacharbeitsquote | Nicht fakturierbare Nacharbeitsstunden im Verhältnis zu den Gesamtstunden |
| Wiederkehrender Umsatz | Anteil von Wartung, Prüfung und Rahmenverträgen am Gesamtumsatz |
| Zeit bis zur Rechnung | Tage zwischen technischer Fertigstellung und Rechnungsstellung |
| Forderungslaufzeit | Tage zwischen Rechnungsstellung und Zahlung |
| Kundenkonzentration | Umsatzanteil der größten Kunden |
| Mitarbeiterfluktuation | Austritte im Verhältnis zur durchschnittlichen Mitarbeiterzahl |
| Ausbildungsbindung | Erfolgreiche Abschlüsse und Übernahmen im Verhältnis zu Ausbildungsstarts |
| Dokumentationsquote | Vollständig dokumentierte Aufträge im Verhältnis zu allen abgeschlossenen Aufträgen |
Wichtig ist, die Kennzahlen nicht nur für den Gesamtbetrieb, sondern möglichst auch nach Leistungsbereichen auszuwerten. Ein durchschnittlich gutes Ergebnis kann einzelne unrentable Bereiche verdecken.
Die Chancen bleiben groß – die Steuerung wird anspruchsvoller
Das Elektrohandwerk besitzt langfristig gute Perspektiven. Gebäude müssen modernisiert, Energieanlagen elektrifiziert und neue Technologien fachgerecht miteinander verbunden werden. Gleichzeitig steigt der wirtschaftliche und organisatorische Anspruch an die Betriebe.
Erfolgreich werden vor allem Unternehmen sein, die nicht nur technisch gut arbeiten, sondern ihre Leistungen auch konsequent kalkulieren, dokumentieren und auswerten.
Besonders wichtig sind dabei:
- ein profitabler Leistungs- und Kundenmix,
- systematische Mitarbeitergewinnung und Ausbildung,
- kurze Dokumentations- und Rechnungsprozesse,
- wiederkehrende Wartungs- und Prüfleistungen,
- integrierte Angebote rund um Energie und Gebäudetechnik,
- eine belastbare Liquiditätsplanung,
- klare Produktivitäts- und Qualitätskennzahlen.
Nicht die Zahl der vorhandenen Aufträge allein entscheidet über die Zukunftsfähigkeit eines Elektrikerbetriebs. Entscheidend ist, wie zuverlässig diese Aufträge in Wertschöpfung, Liquidität und langfristige Kundenbeziehungen umgewandelt werden.
Redaktioneller Hinweis
Die genannten Untersuchungen beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume und Grundgesamtheiten. Einige Daten bilden die gesamten E-Handwerke ab, andere den deutschen Mittelstand, das Baugewerbe oder den allgemeinen B2B-Markt. Die Kennzahlen sind deshalb als Orientierung und nicht als unmittelbar übertragbare Sollwerte für jeden einzelnen Betrieb zu verstehen.
Datenstand: Juli 2026
Marktanalyse: Elektriker- und Elektroinstallationsleistungen in Deutschland
Stand: 22. Juli 2026
Gesamturteil
Der deutsche Elektrikermarkt ist langfristig ein struktureller Wachstumsmarkt, befindet sich kurzfristig jedoch in einer konjunkturell schwierigen Phase.
Im Jahr 2025 stagnierte der Branchenumsatz nominal, während die Beschäftigung zurückging. Für 2026 wird lediglich ein geringes, überwiegend preisgetriebenes Umsatzwachstum erwartet. Real dürfte die Marktleistung daher ungefähr stagnieren oder leicht sinken.
Der schwache Wohnungsneubau belastet die Branche weiterhin. Gleichzeitig entstehen große Bedarfe in den Bereichen Bestandssanierung, Wärmepumpen, Zählerschränke, intelligente Messsysteme, Ladeinfrastruktur, Energiemanagement, Gebäudeautomation sowie wiederkehrende Prüf-, Wartungs- und Instandhaltungsleistungen.
Der Markt bleibt stark mittelständisch und kleinteilig. Dadurch ergeben sich Chancen für professionell organisierte Betriebe, regionale Unternehmensgruppen, Plattformmodelle und Buy-and-Build-Strategien.
1. Marktgröße und Abgrenzung
Bei der Betrachtung der Marktzahlen muss zwischen zwei Ebenen unterschieden werden:
| Abgrenzung | Inhalt |
|---|---|
| Kernmarkt | Elektrotechniker-Handwerk und Elektroinstallation, insbesondere der Wirtschaftszweig WZ 43.21 |
| Breiter Markt der E-Handwerke | Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektromaschinenbau |
Die häufig genannte Zahl von 88,2 Milliarden Euro Umsatz bezieht sich auf den breiten Markt der drei E-Handwerke. Sie entspricht deshalb nicht vollständig dem Umsatz reiner Elektriker- oder Elektroinstallationsdienstleistungen.
Branchenkennzahlen 2025
| Kennzahl | Wert 2025 | Entwicklung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Umsatz der E-Handwerke | 88,2 Mrd. € | –0,3 % |
| Unternehmen insgesamt | 49.113 | +0,5 % |
| Davon Elektrotechnik-Unternehmen | 44.975 | +0,9 % |
| Tätige Personen insgesamt | 575.275 | – |
| Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte | 451.050 | –1,2 % |
| Auszubildende | 46.403 | –0,2 % |
Damit entfallen rund 92 Prozent der Unternehmen des breiten E-Handwerks auf den Kernbereich Elektrotechnik.
Rechnerisch ergeben sich knapp 1,8 Millionen Euro Umsatz und rund 11,7 tätige Personen je Unternehmen. Diese Werte sind allerdings nur Durchschnittswerte. Größere Betriebe sowie Unternehmen mit einem hohen Material- oder Handelsumsatz verzerren den Durchschnitt deutlich nach oben.
Was die 88,2 Milliarden Euro nicht darstellen
Die Zahl ist kein reiner Dienstleistungsumsatz. Darin enthalten sind unter anderem:
- Material, Komponenten und teilweise Handelsumsätze
- Photovoltaik-, Speicher- und Ladehardware
- Elektrotechnische Projektleistungen
- Informationstechnische Leistungen
- Leistungen des Elektromaschinenbaus
Für eine präzisere Berechnung des Marktes für reine Elektriker-Dienstleistungen sollte deshalb mit der amtlichen Wirtschaftszweigklassifikation WZ 43.21 Elektroinstallation gearbeitet werden.
Der enthaltene Materialanteil müsste anschließend separat herausgerechnet werden. Für die wirtschaftliche Bewertung eines Elektroinstallationsbetriebs sind daher der Rohertrag, die Montageleistung und der Serviceumsatz häufig aussagekräftiger als der Gesamtumsatz.
2. Wirtschaftliche Entwicklung der Branche
2025: Stagnation statt Einbruch
Der Umsatz der E-Handwerke sank 2025 um 0,3 Prozent. Der Kernbereich Elektrotechnik entwickelte sich mit einem Umsatzminus von ungefähr 0,1 Prozent stabiler als die Informationstechnik, deren Umsatz deutlicher zurückging.
Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Elektrotechnikbetriebe um 0,9 Prozent. Dies spricht nicht für einen strukturellen Niedergang des Kernmarktes, sondern eher für eine konjunkturelle Abkühlung bei weiterhin hoher Gründungs- und Markteintrittsaktivität.
Die steigende Zahl der Unternehmen bei stagnierendem Gesamtumsatz kann allerdings auch zu einem zunehmenden Wettbewerb um Aufträge führen. Besonders betroffen sind Betriebe ohne klare Spezialisierung, ohne wiederkehrende Kundenverträge und mit einer starken Abhängigkeit vom Wohnungsneubau.
2026: Nominal leicht positiv, real voraussichtlich schwach
Für 2026 wird ein nominales Umsatzwachstum von rund 0,8 Prozent erwartet. Dieses Wachstum soll überwiegend durch Preissteigerungen zustande kommen.
Gleichzeitig wird mit einem weiteren Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gerechnet. Ökonomisch bedeutet das: Die Branche dürfte 2026 wertmäßig ungefähr stabil bleiben, real aber kaum wachsen.
Ein leicht steigender Umsatz wäre daher noch kein Beleg für höhere Auftragsmengen oder eine bessere Auslastung. Bei gleichzeitig steigenden Lohn-, Fahrzeug-, Energie- und Materialkosten kann die Profitabilität einzelner Betriebe sogar unter Druck geraten.
Geschäftsklima auf niedrigem Niveau
An einer Branchenumfrage im Frühjahr 2026 nahmen mehr als 1.600 Elektrobetriebe teil. Die Ergebnisse zeigen eine deutlich verhaltene Stimmung:
- Der Geschäftsklimaindex sank auf 65,6 Punkte.
- Nur noch 44,9 Prozent der Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage als gut.
- 13,7 Prozent bewerteten ihre Lage als schlecht.
- Ebenfalls 13,7 Prozent verfügten nur über einen Auftragsvorlauf von höchstens zwei Wochen.
- 22,2 Prozent erwarteten eine weitere Verschlechterung.
- Lediglich 17,1 Prozent rechneten mit einer Verbesserung.
Der Geschäftsklimaindex lag damit auf einem sehr niedrigen Niveau. Trotzdem meldete noch immer fast die Hälfte der Unternehmen eine gute Geschäftslage.
Der Markt ist daher zunehmend gespalten: Auf der einen Seite stehen weiterhin gut ausgelastete Spezialisten und Betriebe mit stabilen Gewerbe-, Industrie- oder Hausverwaltungskunden. Auf der anderen Seite geraten Unternehmen mit hoher Neubauabhängigkeit, schwacher Kalkulation oder wenig wiederkehrendem Geschäft stärker unter Druck.
3. Welche Marktsegmente wachsen und welche schwächeln?
A. Wohnungsneubau: derzeit stärkster Belastungsfaktor
Der Anteil des Neubaus am Umsatz der befragten Elektrobetriebe sank auf 11,9 Prozent.
Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nur rund 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei Wohnungen in neu errichteten Wohngebäuden fiel der Rückgang noch etwas stärker aus.
Gleichzeitig verlängerte sich die durchschnittliche Zeit zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung. Elektroinstallationsbetriebe arbeiten häufig erst in einer relativ späten Phase des Bauprozesses. Deshalb wirken sich sinkende Baugenehmigungen und verschobene Baustarts häufig zeitverzögert auf die Branche aus.
Betroffen sind insbesondere Leistungen wie:
- Allgemeine Elektroinstallation
- Leitungs- und Verteilersysteme
- Schalter- und Steckdosenprogramme
- Beleuchtungsinstallationen
- Netzwerk- und Kommunikationstechnik
- Gebäudetechnik
- Prüfungen, Abnahmen und Dokumentation
Bei den Baugenehmigungen zeigten sich 2025 und Anfang 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung. Bis sich daraus tatsächlich neue Aufträge für Elektroinstallationsbetriebe ergeben, kann es jedoch mehrere Jahre dauern.
Aufgrund der langen Planungs- und Bauzeiten dürfte eine stärkere Erholung im Elektrohandwerk frühestens schrittweise ab 2027 oder 2028 spürbar werden.
Bewertung: Kurzfristig schwach, mittelfristig vorsichtige Erholung möglich.
B. Sanierung und Gebäudebestand: größter Stabilitätsanker
Der Anteil von Sanierungsleistungen am Umsatz der befragten Elektrobetriebe lag bei rund 20,6 Prozent.
Hinzu kommen Reparaturen, Wartung, Prüfungen und kleinere Modernisierungen, die nicht vollständig unter den Begriff Sanierung fallen.
Deutschland verfügt über rund 44 Millionen Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von ungefähr 4,1 Milliarden Quadratmetern. Dieser große Gebäudebestand erzeugt einen dauerhaft hohen Bedarf an elektrotechnischen Leistungen.
Typische Aufträge sind:
- Erneuerung alter Unterverteilungen
- Modernisierung von Zählerschränken
- Austausch veralteter Leitungen
- Nachrüstung von Fehlerstromschutzschaltern
- Installation von Überspannungsschutz
- Erweiterung von Stromkreisen
- Küchen- und Badsanierungen
- Beleuchtungsmodernisierungen
- E-Checks
- Prüfungen nach DGUV-Vorschriften
- Anschluss von Wärmepumpen
- Anschluss von Photovoltaikanlagen
- Installation von Batteriespeichern
- Installation von Wallboxen
- Netzwerk- und Sicherheitstechnik
- Gebäudeautomation
Der Gebäudebestand ist weniger konjunkturabhängig als der Neubau. Außerdem bietet er bessere Voraussetzungen für langfristige Kundenbeziehungen, Wartungsverträge und wiederkehrende Serviceleistungen.
Bewertung: Stabilster und strategisch attraktivster Teilmarkt.
C. Photovoltaik und Speicher: strukturell groß, kurzfristig rückläufig
Die Zahl der von E-Handwerksbetrieben ausgeführten Photovoltaik- und Speicherinstallationen entwickelte sich 2025 rückläufig.
| Technologie | 2024 | 2025 | Ungefähre Veränderung |
|---|---|---|---|
| Photovoltaikanlagen | 395.000 | 355.000 | –10 % |
| Stromspeicher | 260.000 | 235.000 | –10 % |
| Wärmepumpen | 160.000 | 205.000 | +28 % |
| Ladepunkte | 377.000 | 360.000 | –5 % |
Bei Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern hat sich der vorherige Boom deutlich abgeschwächt.
Dennoch bleibt das Elektrohandwerk ein zentraler Vertrieb-, Planungs-, Anschluss- und Inbetriebnahmekanal. Elektrobetriebe sind an einem großen Teil der installierten Dach-Photovoltaikanlagen beteiligt.
Langfristig bleibt der Markt aufgrund der deutschen Ausbauziele groß. Kurzfristig ist er jedoch stark abhängig von:
- Förderprogrammen
- Strompreisen
- Finanzierungskosten
- Einspeisevergütungen
- Steuerlichen Rahmenbedingungen
- Politischen Ankündigungen
- Verfügbarkeit von Netzanschlüssen
- Preisentwicklung bei Modulen und Speichern
Bewertung: Struktureller Wachstumsmarkt mit hoher politischer und preislicher Volatilität.
Reine Photovoltaik-Montagebetriebe sind wirtschaftlich riskanter als Anbieter, die Photovoltaik mit Batteriespeichern, Energiemanagement, Zählerschrankumbauten, Ladeinfrastruktur, Wartung und Service kombinieren.
D. Wärmepumpen und elektrische Gebäudeversorgung: aktuelles Wachstumsfeld
Die Zahl der Wärmepumpen, an deren Installation E-Handwerksbetriebe beteiligt waren, stieg von rund 160.000 auf etwa 205.000 Anlagen. Dies entspricht einem Wachstum von ungefähr 28 Prozent.
Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der Elektrobetriebe, die in diesem Bereich tätig sind. Auch der Umsatzanteil von Wärmepumpen- und Lüftungsinstallationen nahm zu.
Für Elektriker entsteht der Umsatz nicht nur durch den direkten Anschluss des Gerätes. Typische Zusatzleistungen sind:
- Prüfung der verfügbaren Anschlussleistung
- Erweiterung oder Verstärkung des Hausanschlusses
- Einrichtung neuer Stromkreise
- Installation zusätzlicher Schutzorgane
- Umbau des Zählerschranks
- Anmeldung beim Netzbetreiber
- Einbindung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen
- Installation von Steuer- und Kommunikationsleitungen
- Verbindung mit einer Photovoltaikanlage
- Verbindung mit einem Batteriespeicher
- Einrichtung eines Energiemanagementsystems
- Anschluss elektrischer Zusatz- oder Notheizungen
Besonders attraktiv ist dieser Markt für Elektroinstallationsbetriebe, die eng mit Heizungs-, Klima- und Sanitärunternehmen zusammenarbeiten.
Bewertung: Sehr attraktiver Wachstumsbereich, insbesondere in Verbindung mit Bestandssanierung und Gebäudetechnik.
E. Ladeinfrastruktur: wachsender Bestand, schwankendes Neugeschäft
Zum 1. Juni 2026 waren bei der Bundesnetzagentur registriert:
- 152.915 öffentliche Normalladepunkte
- 53.292 öffentliche Schnellladepunkte
- Insgesamt 206.207 öffentliche Ladepunkte
- Gesamtladeleistung von rund 8,87 Gigawatt
Private Wallboxen sowie nicht öffentlich zugängliche Ladepunkte von Unternehmen, Wohnanlagen und Flotten sind in diesen Zahlen nicht vollständig enthalten.
Obwohl die Zahl der neu durch E-Handwerksbetriebe installierten Ladepunkte 2025 leicht zurückging, wächst der installierte Gesamtbestand weiter.
Dadurch verschiebt sich das Geschäft zunehmend von einzelnen privaten Wallboxen hin zu komplexeren Lösungen:
- Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern
- Lösungen für Wohnungseigentümergemeinschaften
- Ladepunkte für Firmenflotten
- Ladeinfrastruktur für Parkhäuser
- Lösungen für Gewerbeimmobilien
- Last- und Lademanagement
- Abrechnungssysteme
- Wartung und Störungsbehebung
- Erweiterung bestehender Standorte
- Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeichern
Bewertung: Kurzfristig kein flächendeckender Boom, aber ein dauerhaft wachsender Infrastruktur- und Servicemarkt.
F. Intelligente Messsysteme, Zählerschränke und steuerbare Verbraucher
Zum Ende des Jahres 2025 gab es mehrere Millionen relevante Pflichtfälle für intelligente Messsysteme. Nur ein Teil dieser Fälle war bereits mit entsprechenden Systemen ausgestattet.
Damit besteht weiterhin eine große Rollout-Pipeline.
Zusätzlich gelten für neue steuerbare Verbrauchseinrichtungen besondere technische Anforderungen. Dazu gehören insbesondere:
- Private Ladeeinrichtungen
- Wärmepumpen
- Klimaanlagen
- Bestimmte Batteriespeicher
Neue Anlagen müssen grundsätzlich so eingebunden werden, dass eine netzorientierte Steuerung möglich ist.
Dies erhöht den Bedarf an:
- Modernen Zählerplätzen
- Steuerleitungen
- Kommunikationssystemen
- Lastmanagement
- Energiemanagement
- Dokumentation
- Abstimmung mit Netz- und Messstellenbetreibern
- Anpassung bestehender Elektroverteilungen
Bewertung: Vergleichsweise planbares, regulatorisch getriebenes Wachstumsfeld. Besonders attraktiv für Betriebe mit Kompetenzen in Mess-, Steuer-, Kommunikations- und Energiemanagementtechnik.
4. Personalmarkt und Ausbildung
Der Personalmangel ist nicht verschwunden, hat sich konjunkturell aber etwas abgeschwächt.
Zuletzt wurde der Bedarf in den E-Handwerken auf rund 65.000 offene Stellen geschätzt. In einer Erhebung meldeten etwa 46 Prozent der Betriebe offene Stellen.
Gleichzeitig ging die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 2025 um 1,2 Prozent zurück. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich dadurch erklären, dass Personalbedarf und Geschäftslage je nach Region und Spezialisierung sehr unterschiedlich sind.
Gut ausgelastete Unternehmen suchen weiterhin Fachkräfte. Schwächere oder stark neubauabhängige Betriebe stellen dagegen weniger ein oder reduzieren ihre Beschäftigung.
Mit 46.403 Auszubildenden wurde 2025 trotz eines leichten Rückgangs ein vergleichsweise hoher Ausbildungsstand erreicht. Der größte Teil der Auszubildenden entfällt auf die Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik.
Der Frauenanteil ist weiterhin sehr niedrig. Daraus ergibt sich ein zusätzliches Potenzial für die Fachkräftegewinnung.
Für Elektrofirmen bleibt Personal gleichzeitig:
- Eine Wachstumsbegrenzung
- Ein wesentlicher Kostenfaktor
- Eine Markteintrittsbarriere
- Ein wichtiger Wettbewerbsfaktor
- Ein zentraler Werttreiber bei Unternehmensübernahmen
Besonders knapp sind erfahrene Gesellen, Bauleiter, Projektleiter, Kundendiensttechniker und Elektromeister.
5. Marktstruktur und Wettbewerb
Das deutsche Handwerk ist stark mittelständisch geprägt. Nahezu alle Handwerksunternehmen gehören zu den kleinen und mittleren Unternehmen.
Auch der Elektrikermarkt besteht überwiegend aus kleinen, lokalen und regionalen Betrieben.
Typische Marktmerkmale sind:
- Sehr viele lokale und regionale Anbieter
- Wenige überregionale Marken
- Starke Abhängigkeit vom Inhaber
- Persönliche und langjährige Kundenbeziehungen
- Unterschiedliche Spezialisierungsgrade
- Teilweise geringe Digitalisierung
- Schwankende Qualität bei Kalkulation und Projektsteuerung
- Begrenzte Vertriebsstrukturen
- Zunehmende Nachfolgeprobleme
Viele kleinere Unternehmen verfügen über einen guten lokalen Ruf und einen stabilen Kundenstamm, sind organisatorisch jedoch stark von einzelnen Personen abhängig.
Daraus ergeben sich Chancen für größere Unternehmensgruppen, die zentrale Funktionen standardisieren können, beispielsweise:
- Einkauf
- Personalgewinnung
- Buchhaltung
- Marketing
- Angebotskalkulation
- IT-Systeme
- Fuhrparkmanagement
- Materiallogistik
- Auftragsdisposition
- Weiterbildung
- Arbeitssicherheit
Eine Konsolidierung des Marktes ist grundsätzlich möglich. Sie wird jedoch dadurch erschwert, dass regionale Kundenbeziehungen, Meisterqualifikation, lokale Mitarbeiterbindung und operative Steuerung eine große Rolle spielen.
6. Wirtschaftlich besonders attraktive Geschäftsmodelle
Wiederkehrender Service und Instandhaltung
Dazu gehören:
- Störungsdienst
- Wartungsverträge
- E-Checks
- Prüfungen nach DGUV-Vorschriften
- Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel
- Sicherheitsbeleuchtung
- Brandmeldeanlagen
- Notstromsysteme
- Regelmäßige Anlageninspektionen
Diese Leistungen sind weniger abhängig vom Neubau und weisen häufig einen geringeren Materialanteil auf.
Sie ermöglichen außerdem wiederkehrende Umsätze und eine bessere Planbarkeit der Auslastung.
Gewerbe-, Industrie- und Immobilienkunden
Besonders attraktiv sind:
- Rahmenverträge mit Unternehmen
- Filialnetze
- Hausverwaltungen
- Wohnungsgesellschaften
- Kommunale Auftraggeber
- Facility-Management-Unternehmen
- Industrie- und Logistikstandorte
- Hotels, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser
Diese Kunden bieten häufig wiederkehrendes Auftragsvolumen und bessere Möglichkeiten zur Standardisierung.
Allerdings können längere Zahlungsziele, Ausschreibungen und ein höherer Preisdruck die Profitabilität belasten.
Bestandssanierung und Zählerschrankmodernisierung
Dieser Bereich profitiert gleichzeitig von:
- Alternden Elektroinstallationen
- Wärmepumpen
- Photovoltaikanlagen
- Batteriespeichern
- Wallboxen
- Intelligenten Messsystemen
- Höheren elektrischen Anschlussleistungen
Zählerschrankmodernisierungen sind besonders attraktiv, weil sie häufig Voraussetzung für weitere Leistungen sind und dadurch zusätzliche Aufträge auslösen.
Gebäudeautomation und Energiemanagement
Die Verbindung verschiedener technischer Systeme erhöht die Komplexität und reduziert den reinen Preiswettbewerb.
Dazu gehören:
- KNX-Systeme
- Beleuchtungssteuerung
- Lastmanagement
- Lademanagement
- Photovoltaik
- Batteriespeicher
- Wärmepumpen
- Dynamische Stromtarife
- Verbrauchsoptimierung
- Gebäudeleittechnik
Betriebe mit entsprechenden Kompetenzen können sich stärker als Systemintegrator und weniger als reiner Installationsdienstleister positionieren.
Kooperation zwischen Elektro- und SHK-Unternehmen
Die Kombination von Elektro-, Heizungs-, Klima- und Sanitärleistungen ermöglicht höhere Auftragswerte und eine einheitlichere Kundenschnittstelle.
Dies ist besonders relevant bei:
- Wärmepumpen
- Energetischen Gebäudesanierungen
- Photovoltaik und Speicher
- Elektrischer Warmwasserbereitung
- Lüftungsanlagen
- Energiemanagement
- Smart-Home-Systemen
7. Wirtschaftlich riskantere Geschäftsmodelle
Überdurchschnittlich riskant sind:
- Starke Abhängigkeit vom Wohnungsneubau
- Reine Photovoltaik-Montage ohne Serviceangebot
- Hoher Hardwareumsatz bei geringer eigener Wertschöpfung
- Große Festpreisprojekte mit langen Laufzeiten
- Unzureichende Nachtragsregelungen
- Hohe Materialvorfinanzierung
- Geringe Vorauszahlungen
- Abhängigkeit von einzelnen Großkunden
- Starke Abhängigkeit vom Inhaber oder einem einzelnen Meister
- Unstrukturierte Kleinaufträge mit langen Fahrtzeiten
- Fehlende digitale Auftragssteuerung
- Unzureichende Kalkulation von Arbeits- und Fahrtzeiten
Besonders problematisch ist ein hoher Umsatz, der überwiegend aus weiterverkaufter Hardware besteht. In solchen Fällen kann der Gesamtumsatz groß erscheinen, obwohl der tatsächliche Rohertrag und die operative Marge gering sind.
8. Ausblick 2026 bis 2030
2026
Das Jahr 2026 dürfte ein Übergangs- und Konsolidierungsjahr werden.
Zu erwarten sind:
- Leicht steigende nominale Umsätze
- Real kaum Wachstum
- Schwache Neubaufertigstellungen
- Weiterer Beschäftigungsrückgang
- Hohe Unterschiede zwischen einzelnen Betrieben
- Zunehmender Preis- und Wettbewerbsdruck
- Weiteres Wachstum in ausgewählten technischen Spezialsegmenten
2027 und 2028
Eine schrittweise Verbesserung ist möglich, sofern sich die steigenden Baugenehmigungen tatsächlich in Baustarts und Fertigstellungen umsetzen.
Aufgrund der langen Bauzeiten ist keine unmittelbare Erholung zu erwarten. Sanierung, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur sowie Mess- und Steuertechnik dürften früher Wachstumsimpulse liefern als der klassische Wohnungsneubau.
Bis 2030
Der strukturelle Bedarf an Elektriker- und Elektroinstallationsleistungen dürfte insgesamt wachsen.
Wichtige Treiber sind:
- Elektrifizierung der Wärmeversorgung
- Elektrifizierung des Verkehrs
- Ausbau von Photovoltaik
- Ausbau von Batteriespeichern
- Intelligente Stromnetze
- Intelligente Messsysteme
- Modernisierung des Gebäudebestands
- Steigende elektrische Anschlussleistungen
- Gebäudeautomation
- Digitalisierung
- Sicherheits- und Prüfpflichten
- Fachkräftemangel
- Alterung bestehender Elektroanlagen
Das Wachstum wird allerdings nicht gleichmäßig verlaufen. Politische Entscheidungen, Förderprogramme, Bauzinsen, Energiepreise und regulatorische Änderungen können einzelne Marktsegmente stark beschleunigen oder abbremsen.
9. Hinweis zur Datenhistorie
Bei den Branchenumsätzen besteht ein methodischer Bruch beziehungsweise eine nachträgliche Revision.
Für das Jahr 2024 wurde zunächst ein Umsatz von 84,3 Milliarden Euro veröffentlicht. Spätere Branchenkennzahlen verwendeten auf Basis neuerer statistischer Daten für 2024 einen Vergleichswert von ungefähr 88,4 Milliarden Euro.
Daher dürfen die zunächst veröffentlichten 84,3 Milliarden Euro für 2024 nicht unmittelbar mit den 88,2 Milliarden Euro für 2025 verglichen werden. Ein solcher Vergleich würde fälschlicherweise den Eindruck eines starken Wachstums vermitteln.
Für eine belastbare mehrjährige Marktanalyse müssen sämtliche Jahreswerte auf einer einheitlichen statistischen Grundlage beruhen.
Der Markt für Elektriker- und Elektroinstallationsdienstleistungen befindet sich nicht mehr in einem flächendeckenden Boom. Gleichzeitig handelt es sich nicht um eine strukturell schrumpfende Branche.
Vielmehr verschiebt sich die wirtschaftliche Bedeutung der einzelnen Marktsegmente:
Weg vom konjunkturabhängigen Neubau und von einzelnen Hardwareinstallationen – hin zu Sanierung, Service, Systemintegration, Wärmepumpen, Mess- und Steuertechnik sowie wiederkehrenden gewerblichen Leistungen.
Für 2026 ist mit einem real schwachen Gesamtmarkt zu rechnen. Mittel- und langfristig bleibt die Branche aufgrund der Elektrifizierung, des großen Gebäudebestands und der zunehmenden technischen Anforderungen attraktiv.
Besonders gute wirtschaftliche Aussichten haben Betriebe, die:
- Einen hohen Anteil wiederkehrender Umsätze erzielen
- Gewerbe-, Industrie- und Immobilienkunden betreuen
- Im Gebäudebestand tätig sind
- Zählerschränke und Elektroverteilungen modernisieren
- Wärmepumpen, Photovoltaik, Speicher und Ladeinfrastruktur verbinden
- Gebäudeautomation und Energiemanagement anbieten
- Arbeitszeiten, Material und Nachträge professionell kalkulieren
- Digitale Prozesse für Disposition und Projektsteuerung einsetzen
- Weniger stark vom Wohnungsneubau abhängig sind
Quellen und weiterführende Links
Branchenkennzahlen und Konjunktur
- ZVEH – Branchenkennzahlen der E-Handwerke
- ZVEH – Branchenkennzahlen 2025: Ein Jahr der Stagnation
- ZVEH – Frühjahrskonjunkturumfrage 2026
- ZVEH – Branchenkennzahlen der E-Handwerke für 2024
- Elektrowirtschaft – Branchenkennzahlen 2025 für E-Handwerke
- E-Handwerk Niederrhein – ZVEH-Frühjahrskonjunkturumfrage 2026
Zukunftstechnologien
- ZVEH – Installationszahlen für Zukunftstechnologien
- Elektrowirtschaft – Entwicklung von Photovoltaik-, Speicher- und Wärmepumpeninstallationen
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – Photovoltaik-Ausbauziele
Wohnungsbau und Gebäudebestand
- Statistisches Bundesamt – Wohnungsfertigstellungen 2025
- Statistisches Bundesamt – Baugenehmigungen 2025
- Statistisches Bundesamt – Wohnen und Gebäudebestand
- Statistisches Bundesamt – Struktur des deutschen Handwerks
Ladeinfrastruktur, Smart Meter und steuerbare Verbraucher
- Bundesnetzagentur – Öffentliche Ladeinfrastruktur
- Bundesnetzagentur – Intelligente Messsysteme und Smart-Meter-Rollout
- Bundesnetzagentur – Steuerbare Verbrauchseinrichtungen
Fachkräfte und Ausbildung
- ZVEH – Fachkräftebedarf in den E-Handwerken
- Elektrowirtschaft – Ausbildungszahlen im E-Handwerk 2025
- Bundesagentur für Arbeit – Fachkräfteengpassanalyse
